Stammtisch Protokoll vom 10.08.2017

Stammtisch 10.8.2017 im Erbprinz

Bei der kurzfristig anberaumten Sitzung von Pro Wächtersbach noch vor Ferienende galt es, eine umfangreiche Agenda abzuarbeiten, bevor in den beiden folgenden Wochen noch zwei längerfristig angekündigte Termine anstehen: Zum einen am Mittwoch, 16.8., der Besuch beim Wasserverband Kinzig, in der Folgewoche dann der Informationsabend mit Prof. Dr. Rommelfanger im Bistro Q. in Neudorf. Diskutiert wurden in der rund zweieinhalbstündigen Sitzung:

Der Petitionstext, der auch von Pro Wächtersbach getragen und im Juli von Gudrun und Reiner Kauck gemeinsam mit anderen Vereinen und Bürgerinitiativen Generalsekretär Dr. Peter Tauber (CDU) und Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) übergeben wurde, soll weiter ausdifferenziert werden. Wie Gudrun Kauck im Nachgang zu der Veranstaltung erläuterte, sei es bei den Politikern gut angekommen, dass sich die Vereine und Initiativen trotz teilweise unterschiedlicher Interessen zusammengefunden haben und sachlich nach einer Lösung suchen. Die Allianz sei somit positiv zu bewerten.

Dieser Darstellung schloss sich eine Diskussion der Sinnhaftigkeit solcher Zusammenschlüsse und Petitionen an, bei der die Meinungen auseinander gingen: Ein Teil der Sitzungsteilnehmer vertrat die Ansicht, es sei wichtiger, weitere Raumhindernisse und Sachargumente zu finden und hier Zeit zu investieren, während andere die Bedeutung einer solche Einheit als deutlich größer einschätzte. Unterschiedlich bewertet wurde von den Vereinsmitgliedern und Gästen auch das Gewicht, das aktuell die Politik im Verfahren noch hat.

Gleichwohl einigte sich die Versammlung darauf, dass Gudrun und Reiner Kauck künftige Treffen der Allianz wahrnehmen werden, sofern dies ihre Zeit erlaubt. Weitere Zuständige werden gesucht, die sich mit Kaucks austauschen und die Termine wahrnehmen, an denen das Ehepaar verhindert ist. Wer interessiert ist, möge sich bitte melden.

Im Anhang finden sich zu diesem Punkt:
Der aktuelle Petitionstext (der übrigens nicht mit anderen, älteren Versionen übereinstimmt, die andernorts zur Abstimmung stehen) wird auf unserer Homepage veröffentlicht. Wer dazu Konkretisierungen und/der Änderungswünsche hat, kann sich gerne melden. Auch das Statement, das das Ehepaar Kauck für unseren Verein beim Treffen mit Tauber und Bomba abgab, ist auf der Homepage zu lesen.

Volker Lemcke, der Vorsitzende von ProBrachttal, wurde in einem Artikel irriger Weise als Sprecher der Allianz der Vereine und Bürgerinitiativen bezeichnet. In dem Zuge kam allerdings die Frage auf, ob diese „Allianz“ möglicherweise einen solchen brauche oder haben möchte. Die Versammlung war sich zu dieser Frage einig, dass ein solcher Sprecher in der Lage sein müsste, den Minimalkonsens zu artikulieren, der zwischen den beteiligten Initiativen erreicht werden kann. Der aber auch in der Lage sein muss, den ggf. vorhandenen Dissens aufzuzeigen und die Punkte, die noch auf Klärung warten. Aktuell sieht niemand ein Argument dagegen, dass diese Position von Volker Lemcke bekleidet werden könnte.

Was den angekündigten Workshop mit Gorissen anbelangt, der aktuell mit einer eigenen Trassenvariante sehr deutlich die öffentliche Wahrnehmung bestimmt, verständigte sich die Versammlung darauf, auf den ohnehin existierenden, intensiven Kontakt zwischen Christian Behrendt und Ingmar Gorissen zu vertrauen. Christian Behrendt, der im erweiterten Vorstand des Landesverbandes des Fahrgastverbandes Pro Bahn und Bus für das Ressort „Netz und Betrieb“ zuständig ist und den Verband u.a. im Dialogforum vertritt, sagte zu, den Verein über inhaltliche Erkenntnisse des für ihn relevanten Raumes in und um Wächtersbach zu unterrichten. Etwaige Interessenten an einem Workshop wurden darauf verwiesen, dass es für die Vereinsmitglieder wichtig ist, die Personen bei den regelmäßigen Treffen kennen zu lernen, um sich so ein Bild von

deren Motivation und Kenntnisstand machen zu können.

Im Juni wurde bereits bei der Sitzung eine allgemeingültige Benamung der Trassen angesprochen, die Christian Behrendt als Teilalternativen zwischen dem Raum Biebergemünd und Bad Soden- Salmünster angesprochen hatte und in dem Vortrag in unserer Informationsveranstaltung als „8a“ und „8b“ bezeichnete. Diese Diskussion wurde neu aufgegriffen, der Auftrag an Christian Behrendt in dem Zuge präzisiert und entschieden, dass der Verein mit einer Vorgabe für die künftige Nomenklatur in der kommenden Woche in persönlichen Schreiben an verantwortliche Politiker (vom Bürgermeister über die Landtagsabgeordneten bis hin zu den Bundestagsabgeordneten) und die Bahn, die anderen Vereine und Bürgerinitiativen und in einer Pressemitteilung Klarheit schaffen möchte. Christian Behrendt wird dazu die Trassenführungen der verschiedenen Untervarianten in einer Grafik aufzeigen.

Unsere Position ist: Der tatsächliche bestandsnahe Ausbau (nicht der, den die Gutachter des Ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit Trasse V als Beispiel für einen „bestandsnahen Ausbau“ vorgeschlagen hatten) ist in den Planungen noch nicht hinlänglich berücksichtigt. Wir haben ein Problem mit der Bezeichnung „bestandsnah“, weil diese ohne eine Angabe der Entfernung oder der Untertunnelung zunächst nichts über die späteren Belastungen durch Bau und dauerhaften Betrieb aussagt. Die Deutsche Bahn muss schon allein in ihrem eigenen Interesse Wert darauf legen, nachvollziehbar im Raumordnungsverfahren erklären zu können, welche Trassen sie mit welcher Begründung ausgeschlossen hat. Wir legen mit der Vorlage der drei zusätzlichen Teiltrassen und deren Benamung Wert darauf, die Informationsbasis zu verbreitern, die Nomenklatur für eine sinnhafte Diskussion zu verbessern und damit dazu beizutragen, dass sinnhafte Varianten (ggf. nochmals) vertieft geprüft werden. Anders ausgedrückt: Wir wollen, dass im Bereich zwischen Haitz-Höchst und Bad Soden-Salmünster zusätzliche Untervarianten mit der Bündelung bestehender Fernverkehrswege vertieft geprüft werden.
Diese sind aus unserer Sicht:
8a: Weitgehende Bündelung mit der Bestandseisenbahnstrecke
8b: Weitgehende Bündlung mit der A66 ab Wirtheim/Tunnel durch den Aufenauer Berg
und Achtung! Neu!:
8c: Zwischen Haitz-Höchst und der Höhe von Engelbert-Strauss die Altstrecke mit den neuen Gleisen an der A66 zu bündeln: Die Vorteile: Zum einen eine siedlungsferne Verzweigung. Zum anderen die Gewissheit, dass im Bahnhof Gelnhausen auch ein Richtungsbetrieb möglich ist und es dort so bleiben kann, wie die DB es bislang plant. Gorissen spricht übrigens, dem widersprechend, von einem Übergang des Richtungsbetriebs aus Hanau in einen Linienbetrieb mit südlich gelegenen, „schnellen“ Gleisen bereits zwischen Hailer-Meerholz und der Gelnhäuser West-Spange (diese Variante erscheint ihm sinnvoller, weil als die Querung bei Wirtheim, weil das Tal westlich von Gelnhausen noch breiter ist).

Wir wollen diese „Arbeitstitel“ nun zu offiziell definierten Untervarianten erklären, um Klarheit zu schaffen. Dabei ist uns natürlich bewusst, dass die simple und deshalb gerne gewünschte „Lösung“, zusätzliche Gleise neben die bestehende Strecke zu legen, nicht immer möglich ist – die notwendigen Geschwindigkeiten können nicht erreicht werden (zu diesem Thema später noch ein zusätzlicher Exkurs). Auch sei es beispielsweise schwer vorstellbar, wie entlang der Kinzig und des Radweges zwischen Wächtersbach und Wirtheim zusätzliche Gleise parallel zu den bestehenden gebaut werden sollten. Auch ein Tunnel an der Flanke des Aspenhainer Kopfes (und damit quasi schräg unter der Landstraße) werde ein „heftiges Bauwerk“, wie es Christian Behrendt nannte.

Im Zuge dieser Festlegung wurden intensiv und teilweise anhand von digitalem Bildmaterial die verschiedenen Varianten rund um Wächtersbach inclusive der sogenannten Gorissen-Variante diskutiert.

Einig war sich die Versammlung, dass Luftbilder des betreffenden Raums eine konkrete Diskussion verbessern würden. Christian Behrendt erläuterte, dass solche der Stadt vorlägen. Er wolle sich darum kümmern, diese zur Verfügung zu bekommen, um für alle Interessierten die Informationen und damit verbundenen Fragestellungen deutlicher zu machen.

Das Thema „notwendige Geschwindigkeiten“ beschäftigte die Versammlung nicht nur aus Bahn- Sicht. Wie Christian Behrendt ausführlich erläuterte, ist es eine „typische Autofahrer-Sicht“ zu glauben, dass sieben Minuten in einem Netz verschiedener Nah- und Fernverkehrslinien mit gegenseitigen Anschlüssen in der verkehrlichen Wirkung tatsächlich „nur“ sieben Minuten sind. In einer KFZ-basierten Welt ist dies richtig – in einer Bahnfahrerwelt dagegen nicht: Da ist schon bei einer Minute, die die Vertaktung zu einem Anschlusszug nicht klappt, die Folge deutlich anders: Der nächste Anschlusszug lässt nämlich deutlich länger auf sich warten, als diese inkriminierten sieben Minuten. Der Verein Pro Wächtersbach wird deshalb in seiner Argumentation darauf verzichten, mit solchen Aussagen ein Bild des Bahnverkehrs zu zeichnen, dass mit der Realität nichts zu tun hat.

Da sich in Wächtersbach inzwischen zwei Gruppierungen mit unterschiedlichen Herangehensweisen mit dem Thema Bahnausbau geschäftigen, was immer wieder zu Missverständnissen führt, sieht sich der Verein ProWächtersbach e.V. in der Pflicht, öffentlich deutlich zu machen, wofür er einsteht. Die Versammlung war sich einig darüber, dass in einem Presseartikel die bisherige, erfolgreiche Arbeit erläutert und das Vorgehen des Vereins als sachorientiert und an der Suche von Raumhindernissen orientiert beschrieben werden soll. Dem Leser/der Leserin muss deutlich werden, dass die beiden Initiativen unterschiedliche Ausrichtungen haben und sich sehr unterschiedlicher Vorgehensweisen bedienen.

Detailfragen beschäftigten die Versammlungsgäste am Schluss: Fritz Feit wird am 24. Oktober vertretungsweise das Dialogforum besuchen. Die geplante Menschenkette in Brachttal am 20.8. bewerteten die einen als vielversprechende Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Aufmerksamkeit der Bahn zu erlangen, die anderen als Effekthascherei. Deshalb wird der Verein seine Mitglieder auch nicht zur Teilnahme für den Verein auffordern, stellt aber selbstverständlich die Teilnahme jeder/jedem frei.

Ein Schreiben an den Wächtersbacher Magistrat und an die Fraktionsvorsitzenden, das im Juni angemahnt wurde, soll schließlich die politische Position der Verantwortungsträger eruieren. In diesem soll auch die geplante Benamung der potentiellen Trassierungsalternativen Platz finden.

Der geplante Presseartikel soll ebenso wie das Schreiben an die Verantwortlichen vor Veröffentlichung mit den Anwesenden abgestimmt werden.

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